Buchkritik: „Rabenschwarze Intelligenz“ von Josef H. Reichholf

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Unglücksrabe! Leichenvögel! Hassobjekt von Jägern und Landwirten. So richtig beliebt sind Krähen in unseren Breitengraden nicht, dabei sind es mit die intelligentesten Tiere die wir kennen.

Sei dies Wort das Trennungszeichen! Vogel, Dämon, Du mußt weichen!
Fleuch zurück zum Sturmesgrauen, oder zum pluton’schen Heer!
Keine Feder laß zurücke mir als Zeichen Deiner Tücke;
Laß allein mich dem Geschicke – wage nie Dich wieder her!
Fort und laß mein Herz in Frieden, das gepeinigt Du so sehr!“
Sprach der Rabe: „Nimmermehr!“ – „Der Rabe“ von Edgar A. Poe

Auch in Edgar Allan Poe’s Der Rabe kommt dieser Vogel wenig gut weg, ein Dämon, der den Erzähler bis aufs Blut plagt. Und dennoch schimmert auch bei Poe etwas von dem wahren Wesen der Raben durch, nicht nur weil er spricht, sondern weil seine Antwort, besteht sie auch nur aus einem Wort, auf die Frage passt – mag sie dem Erzähler auch nicht gefallen.

Natürlich kann man sich nicht wirklich mit Raben unterhalten, aber so manch Vogel hat dennoch ein bemerkenswertes Talent Laute nachzuahmen. Kein Wunder, gehört doch zu den ersten überraschenden Erkenntnissen, die man aus Josef H. Reichholf’s Buch ziehen kann, dass der Rabe zur Gruppe der Singvögel gehört. Wer hätte das gedacht, angesichts des dominierenden Schwarz und des Krächzen der meisten uns bekannten Arten. Unbeliebt ist es natürlich dennoch, auch weil so manch anderer Vogel – zumindest als Küken – auf seiner Speisekarte steht. Und auch an seinem Ruf sich an nicht schnell genug begrabenen Leichen gütlich zu tun, ist etwas wahres dran. Das er damit auch in unseren Breitengraden dazu beitrug die Verbreitung von Seuchen zu verhindern, geschenkt.

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Rabenschwarze Intelligenz – Was wir von Krähen lernen können ist ein aus persönlicher Perspektive geschriebenes Buch eines Naturwissenschaftlers, der von Kindheit an eine Faszination für diese Tiere entwickelt hat. Und dennoch bemüht sich Reichholf immer wieder um die notwendige Objektivität, was ihm im wesentlichen auch gelingt. Seinem eingängigen und spannenden Schreibstil tut das aber keinen Abbruch. Kein Wunder das sich dieses Buch anhaltender Beliebtheit erfreut und inzwischen in der 9. Auflage erschienen ist.

Der Autor versteht es seine persönlichen Erfahrung mit der Intelligenz dieser Vögel zu schildern, wie es ihm auch gelingt wissenschaftliche Studien einzubinden, um etwa die Sinnlosigkeit der Jagd auf Krähen zu demonstrieren. Zwar steht die Vogelart offiziell unter Schutz, da sie zu den Singvögeln gehört, aber Bayern wäre eben nicht Bayern, hätte die CSU nicht einen Ausweg gefunden dennoch Jagd auf den vermeintlichen Schädling machen zu können. Das damit weder die Bestände zurückgehen, noch irgendeine andere Art oder die Natur profitieren würde – Details. Eine echte Bedrohung , nicht nur für die Raben ist dagegen die Monotonisierung der Landwirtschaft.

Dieses lesenswerte Wissenschaftsbuch ist ein Plädoyer sich nicht von menschlichen Vorurteilen leiten zu lassen, die zwar aus Jahrhunderte langen Beobachtungen entstanden sind, vorwiegend aber nichts weiter als Missinterpretationen darstellen. Ähnlich wie der Mensch einst in den Himmel sah und aus dem Lauf der Sonne folgerte, sie würde sich um die Erde drehen. Dabei ist es aber kein einseitig geschriebener und unkritischer Text, wie man ihn von Zeit zu Zeit etwa von ideologisierten Naturschützern zu lesen bekommt.

Und dennoch kann niemand, der am Ende das Buch ausgelesen in sein Bücherregal stellt, beim Anblick des nächsten Raben nicht zumindest ein bisschen Bewunderung für diese außergewöhnlichen Tiere spüren.


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vor 3 Wochen