Batman: The Dark Knight and „la Terreur“

Trilogien kann man sich schon mal am Stück ansehen, so wie die „Dark Knight“-Trilogie von Christopher Nolan. Allerdings kann man dann auch bei der Französischen Revolution landen.

Ja, ich gebe es zu. Eigentlich wollte ich es gestern Abend bei Batman Beginns belassen, aber dann dachte ich, ist ja noch Zeit, schauen wir uns auch noch The Dark Knight an. Und ganz ehrlich, was wäre ein Batman ohne Catwoman? Und wer (welcher Kerl) wollte sich Anne Hathaway in diesem schwarzen Kostüm schon entgehen lassen.

Aber genug des Sexismus, denn am Ende ist gerade von The Dark Knight Rises doch etwas ganz anderes hängengeblieben als die zugeben in ihrer Rolle als Catwoman ausgesprochen sexy rüberkommende Anne Hathaway. Es ist das soziale Experiment, das Bane mit Gotham City spielt. Das jenes des Jokers in The Dark Knight noch um einiges übertrifft. Geradezu harmlos scheint der Versuch des Jokers zu sein, als er zwei Fähren mit Sprengstoff bestückt und den jeweiligen Zünder in die Hand der Besatzung der anderen Fähre gibt. Bis Mitternacht haben die Menschen Zeit den Zündknopf zu drücken und die andere Fähre zu sprengen, sonst würde er beide in die Luft jagen. Die Wahl scheint einfach. Auf der einen Fähre befinden sich die braven Bürger von Gotham, auf der anderen verurteilte Verbrecher. Doch am Ende wirft einer dieser Verurteilten den Zünder für die Bombe auf der anderen Fähre in die Bucht. Und auch der brave Bürger, der dann doch aufsteigt um den Knopf zu drücken, kann nicht zum Mörder werden. Das Experiment des Jokers ist auf ganzer Linie gescheitert.

Bane jedoch nutzt für sein Experiment die ganze Stadt, sperrt so gut wie jeden Polizisten in die Kanalisation und sorgt mit einer Atombombe dafür, das niemand von Außen zur Rettung eilt. Er schwingt sich auf zum Revolutionär, der die Herrschaft ans Volk zurückgibt – denn die alte Macht, das Ancien Régime hat er beseitigt.

Und was geschieht, wenn der Rahmen von Recht und Ordnung beseitigt ist. Oder viele mehr Recht und Ordnung niemanden mehr hat, er beides durchsetzt? Es lebe die Revolution!

Krieg den Palästen, Friede den Hütten

Und wie jede gute Revolution, was wir im Clip zu sehen bekommen, frisst auch diese zu Zeiten ihre Kinder. Was hat es der mikrigen Figur Philip Stryver (Burn Gorman) genutzt Bane an die Macht zu bringen, wenn er selbst vor einem Tribunal landet, das kein Urteil mehr fällt, sondern nur das Strafmaß festlegt. Vor allem wenn er nur die Wahl hat zwischen Tod und einem Exil, das letztlich auch nur den Tod als Konsequenz hat. Nur mit der makabren Ironie, dass auch das Urteil Exil am Ende nur bedeutet hinaus aufs brüchige Eis der Bucht geschickt zu werden, um letztlich dort zu sterben. Gib jemanden den Funken Hoffnung zu überleben – und lass ihn dann sterben. Denn wer wie in der zweiten Gerichtsepisode den Tod wählt, wie Commissioner Gordon (Gary Oldman) dessen Strafmaß lautet wahrheitsgemäß „Tod durch Exil“.

In den Köpfen vieler ist die Französische Revolution die Geburtsstunde der Demokratie. Liberté, Égalité, Fraternité – noch heute Wahlspruch der französischen Republik. Freiheit! Einheit! Brüderlichkeit! Große Worte, den nichts weiter als la Terreur – den großen Terror – überdecken. Denn am Ende war auch die Französische Revolution ein gewaltiger Blutrausch, in der alles abgeschlachtet wurde, was sich nicht dem Willen der neuen Herrscher unterwerfen wollte. Es brauchte einen Napoleon, um dem Wahnsinn ein Ende zu machen.

Und es ist nicht nur diese Szene, die an die Französische Revolution erinnert. So befreit Bane gleich zu Beginn auch Verbrecher aus den Gefängnissen, wie einst der Sturm auf die Bastille. Der heroische Gründungsmythos der Revolution, bei dem nüchtern betrachtet sechs Verbrecher und ein Geistesgestörter befreit wurden, von denen keiner irgendetwas mit Politik am Hut hatte befreit wurden. Dafür sicherte man der Besatzung der Bastille freies Geleit zu, ehe man sie abschlachtete. Den Kopf des Kommandanten schlug man ab und steckte ihn auf eine Lanze, um den Sieg über das Recht auch gebührend zu feiern.

Der eigene Untergang, fest eingeplant

Was hingegen die Bürger in Gotham nicht wissen, jene Atombombe ist praktisch mit einem Zeitzünder versehen. Während historische Revolutionen ihren eigenen Untergang als heroischen Plan B ins Kalkül ziehen, ist er von Bane und der Gesellschaft der Schatten in The Dark Knight Rises von Beginn an das Endziel. Womit man ihnen zumindest eine gewisse Konsequenz zugestehen muss.

Das es am Ende nicht dazu kommt, verdankten die braven Bürger von Gotham dann allerdings natürlich nicht sich selbst. Die Schlacht um Gotham müssen schon andere führen. Batman, Catwoman und vor allem die nach Monaten Gefangenschaft befreiten Polizisten. Sie sind es, die am Ende Recht und Ordnung zurück bringen. Was an sich ein wenig verwundert, denn die Bevölkerung, die sie von der Terrorherrschaft befreien, hat sich in den vergangenen Monaten wenig daran gestört, dass die Uniformierten eingekerkert waren. Man war wohl in der Zeit zu sehr damit beschäftigt die Großbildfernseher aus den Palästen in die eigene Wohnung zu schaffen und dabei möglichst nicht den Eindruck zu erwecken selbst einen Palast auszustatten.

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