70 Jahre Israel: Es hätte mehr Solidarität verdient

Am 14. Mai 1948 wurde der Staat Israel gegründet. Für die einen ging ein Jahrhunderte alter Traum in Erfüllung, andere würde es auch heute noch am liebsten rückgängig machen.

Die Geschichte Israels begann mit dem Versuch es zu vernichten. Und auch wenn mit einigen Feinden von damals inzwischen ein offizieller Friede herrscht, 70 Jahre Staat Israel heißt auch immer 70 Jahre Bedrohung dessen Existenz. Den Israelis selbst ist das täglich bewusst, und dennoch lebt man in Israel ein völlig normales Leben – immer mit dem Blick auf eine App, die in die Bunker ruft, wenn Hamas, Hisbollah oder der Iran wieder Raketen schickt.

Man könnte den Umgang der Israelis mit dieser Bedrohung bewundern, doch gerade in Deutschland ist dem längst nicht mehr so. Die bedingungslosen Befürworter des Staates Israel sind nicht mehr. Links ist man längst der Romantik des Palästinensertuches verfallen, lebt den tief sitzenden Antisemitismus durch sein unrealistisches Bild des „bösen Israels“ aus. Rechts ist man traditionell offener antisemitisch, und dem herbeigesehnten Schlussstrich unter die Nazi-Zeit steht Israel schlicht im Weg. Gemeinsam herrscht die nicht ausgesprochene Einigkeit, ohne Israel hätte man endlich Frieden in Nahost.

Gute Geschäfte sind wichtiger als Staatsräson

Vor zehn Jahren sprach Angela Merkel vor der Knesset, sichtlich bewegt betonte sie noch einmal, dass die Existenz Israels deutsche Staatsräson sei. Schwere Worte, deren Ernst man damals schon bezweifeln konnte, und die heute wohl als widerlegt gelten dürfen. Staatsräson ist ein Wort, dass im Wortschatz der stets auf Sicht fahrenden Kanzlerin nur hinderlich ist. Und die Verlockungen endlich mit dem Iran (offiziell) gute Geschäfte zu machen, lassen die Bundesregierung beide Augen zudrücken, wenn man dort die totale Vernichtung Israels fordert. Der Iran wird es schon nicht so ernst meinen.

Dabei wird oft vergessen, dass es neben der instabilen Demokratie im Libanon im gesamten Nahen Osten nur eine stabile Demokratie gibt: Israel Nicht alles im Umgang mit den arabischen Israelis mag perfekt sein. Aber das Israel seinen demokratischen Werten trotz der Bedrohung, trotz der Kriege und trotz der alltäglichen Terrorgefahr treu geblieben ist, ist eine weitere Leistung, die es nur zu bewundern gilt.

Stattdessen ist eine Zeit angebrochen, in der auch die deutschen Wohnzimmer-Pazifisten, für die Bunker etwas sind, von denen Ur-Oma mal erzählt hat, reichlich gute Ratschläge für Israel haben, die jenseits jeglicher Realität sind. Wenn man denn überhaupt der Ansicht ist, dass ein existenzfähiger jüdischer Staat existieren sollte. Denn der Schuldige ist in den Augen vieler stets Israel. Im Gazastreifen herrschen schlimme Zustände, Hunger, kein Strom – kein Gedanke daran, dass das an der islamistischen Terrorherrschaft der Hamas liegen könnte. An den Grenzen zum Westjordanland wird kontrolliert, als wäre es ein Gefängnis – kein Gedanke daran, dass junge verblendete Palästinenser nicht mehr als ein Messer brauchen, um wahllos Zivilisten zu töten. In einer jüdischen Siedlung im Westjordanland wurde eine Familie in der Nacht überfallen und Mann, Frau und Kinder abgeschlachtet – was hatten die da auch zu suchen. Das Weltbild des pazifistischen Sesselpupsers ist eben so festgefahren und einseitig, wie das der extremen Linken und Rechten.

Das Holocaust-Denkmal in Berlin

Ich will es ehrlich sagen. Ja, in den letzten 70 Jahren hat Israel nicht alles richtig gemacht. Aber insgesamt betrachtet ist die israelische Geschichte eine Geschichte von Helden und Heldinnen. Die Geschichte eines Volkes, das Jahrhunderte lang Spielball der Mächtigen in der Diaspora war, das stets von Pogromen bedroht war und am Ende die Shoah über sich ergehen lassen musste. Als den Nationalsozialisten beinahe die Vernichtung des jüdischen Volkes gelang, stand niemand an ihrer Seite – auch die Alliierten nicht.

Und so feige und bedauerlich ich das Verhalten gegenüber dem Staat Israel auch finden mag, es ist eine Beruhigung, dass Israel heute auf die Hilfe anderer nicht mehr angewiesen ist und schon gar nicht darauf zu hören braucht, was pazifistische Sesselpupser von sich geben.