Die Zukunft – Morgen – Aber auch in Deutschland?

Letzte Woche bin ich eine ziemlich verwegene Wette eingegangen: In zehn Jahren werden hauptsächlich Lkws ohne Fahrer unterwegs sein. Selbstfahrende Lkws werden den Großteil des Transports auf den Autobahnen abwickeln.

Ist das realistisch? Jein, zweifellos wird es in der Lebensspanne der meisten Leser hier so kommen, ob tatsächlich in zehn Jahren Lkw-Fahrer eine Schlange am Arbeitsamt bilden müssen, ist letztlich natürlich noch nicht ausgemacht. So sehr ich die Digitale Transformation auch fürchte und ihre neoliberalen Auswüchse für das kommende Grundübel nach dem Kommunismus halte, so bin ich doch leider auch davon überzeugt, dass sie nicht aufzuhalten sein wird. Man wird es natürlich aber dennoch versuchen. Und auch wenn die Technik in zehn Jahren mehr als bereit sein wird das Szenario selbst fahrender Lkws umzusetzen, spricht doch auch einiges dagegen. Denn noch dürften Lobbyverbände und Verweigerungshaltung stark genug sein, das Szenario mit Gesetzen und Verordnungen hinauszögern zu können. Erst recht weil unser deutsches Rechtssystem Immanuel Kant näher ist, als dem Utilitarismus, der sich bei dem bekannten Problem bei einem Unfallszenario zu entscheiden, wer sterben soll – sagen wir es freundlich – erheblich leichter tut.

Doch wie lange kann man den Fortschritt wirklich aufhalten? Wie lange werden Politik und Gesellschaft den wirklichen und den vermeintlichen Vorteilen der Digitalisierung standhalten?

Hätte der olle Erich die Digitalisierung begrüßt?

Denn machen wir uns nichts vor, nicht nur selbst fahrende Lkws bedeuten vor allem eines: Kostenersparnis! Aus ähnlichen Gründen werden sich etwa Universitäten noch eine gewisse Zeit lang staatlichem Schutz sicher sein können, oder das Gesundheitssystem. Aber dennoch darf eines als sicher gelten: Die Uhr tickt – und die Uhr tickt unaufhaltsam.

Europa und in erster Linie Deutschland werden sich wohl mit am längsten diesem Fortschritt in den Weg stellen, aber selbst wenn der gesellschaftliche Wille da wäre sie aufhalten zu wollen, es wird am Ende nicht gelingen. Am Ende siegt der Kostendruck und – na ja, die wirklichen Vorteile.

Es mag uns noch ein wenig komisch vorkommen, wenn wir einem Programm unseren Gesundheitszustand schildern und es die Laborwerte selbst analysiert, aber schon heute kommen dabei halt bessere Ergebnisse heraus, als bei so manchem Hausarzt. Mögen spezialisierte Chirurgen und andere Experten noch relativ sicher sein, die Berufsgruppe Hausarzt sollte die Uhr ebenfalls schon ticken hören. Dabei können die doch heute noch behaupten, mit diesem Internet eigentlich nix zu tun zu haben. Also zumindest nicht zwangsläufig. Was am Ende aber nur der Trugschluss sein dürfte, dem auch der Klempner um die Ecke anheimfällt. Auch der wird früher oder später zu spüren bekommen, das er nur zwei Möglichkeiten hat. Entweder er wird seine eigene digitale Marke, oder ist dazu verdammt sich auf den marktbeherrschenden Plattformen zum billigsten Preis darzubieten.

Ärzte, Handwerke … richtig, Berufsgruppen die wir heute noch als fest im Sattel sitzenden Mittelschicht betrachten. Menschen, die – wäre die Digitalisierung nicht – auch in einem von latenter Abstiegsangst beherrschten Deutschland doch noch halbwegs sicher im Sattel sitzen dürften.

Ihr Bürger, hört die Signale!

Die Verzögerung des Fortschritts wird dafür sorgen, dass eine ganze Reihe Berufstätige aus der Mittelschicht sich noch halbwegs sicher in die Rente retten können. Wer heute aber unter 40 ist, sollte sich damit anfreunden sich bald auf eine durch digitalisierte Welt einstellen zu müssen, die komplett anders ist, als wir sie heute kennen. Aber dennoch sind jene zahlreich, die entweder glauben nicht betroffen zu sein oder das Ganze für alten Wein in neuen Schläuchen halten. Aber das ist die Digitale Transformation eben nicht, der Wein ist ebenso neu wie der Schlauch. Und wer das nicht rechtzeitig erkennt, und rechtzeitig ist JETZT, wird in absehbarer Zeit ziemlich viel Essig zu trinken bekommen.

Und noch einmal, diese Entwicklung mag uns nicht gefallen, und sie sollte uns auch nicht gefallen, aber wirklich aufhalten können wir sie auch nicht. Ähnlich wie in der industriellen Revolution wird es eine lange Phase geben in der wenige profitieren und viele Hungerleider ausgebeutet werden. Was bleibt ist die Hoffnung, dass sich auch diesmal die Gesellschaft wieder einpendeln wird. So wie die Sozialgesetzgebung mit Bismarck ihren Anfang nahm und zum Sozialstaat wurde, um die Unternehmer in die Schranken zu weisen und den Arbeitern und Angestellten zumindest eine Existenzsicherung gab. Es ist jedoch fraglich, ob wir mit diesen alten Mitteln auch der neuen Herausforderung Herr werden können. Zumindest sieht es nicht wirklich danach aus, und die Finanzierbarkeit dürfte auch arg, verdammt arg in Zweifel stehen. So fundamental neu wie die Digitalisierung Fakten schafft, so neu müssen auch unsere Lösungen für die geschaffenen Probleme sein. Sie auf den Standpunkt jener Hufschmiede zu stellen, die sich das Auto erst nicht vorstellen konnten und dann glaubten dieses Ungetüm würde sich nie im Leben durchsetzen, wird uns nur in den Abgrund führen.