Warum die Gloablisierung den Nationalismus zur Wiedergeburt verhilft

Um es vorwegzusagen, ich bin kein besonders großer Patriot. Ich hieße Schwarz-Rot-Gold nicht mal zur Fußball-WM. Auf der anderen Seite habe ich aber auch nix gegen, wenn das andere machen – auch wenn gerade nicht Fußball gespielt wird.

Das Verhältnis des Deutschen zur Nation ist ja seit 1945 so eine Sache. Die Entnazifizierung der Alliierten hielt weder in Ost noch West ein paar Jahre später ehemalige Nazis davon ab wieder in die höchsten Kreise von Politik, Justiz und Gesellschaft aufzusteigen, was sie aber tatsächlich geschafft hat war ein stetiger Kampf gegen jedes Aufkommen eines neuen Patriotismus, aus der schlichten Angst, dieser könne schnell wieder in den alten Nationalismus umschwenken. In der alten Bundesrepublik ging das auch über Jahrzehnte gut. Die ersten Jahre waren die Menschen mit dem Wiederaufbau viel zu beschäftigt, die Jahrzehnte danach waren sie viel zu satt und konsumorientiert, als dass sich eine breite Masse mit dem Thema Nation beschäftigt hätte. Und wäre nicht der Turbo der Globalisierung angeworfen worden, vielleicht hätten wir dieses Gefühl nach der Wiedervereinigung auch in den Osten importieren können. Deutschland einig Vaterland, ein Land in dem das Wort “Vaterland” aber einen anrüchigen Aspekt hätte.

Doch die Globalisierung nahm bekanntlich einiges an Fahrt auf und selbst die Deutschen, die sich Jahrzehnte international rein über ihre wirtschaftliche Prosperität definiert hatten, bekamen langsam Muffe. Auch wenn sich Wirtschaft und Politik noch so große Mühe gaben die Welt in den schönsten Farben zu zeichnen, selbst jene die den Abstieg noch nicht vollzogen hatten, begannen sich um ihre Rente Sorgen zu machen und der angeblich immer mehr in die Höhe gehende Wohlstand vertrug sich so gar nicht mit den immer mehr werdenden Menschen, die nach Pfandflaschen in den Mülleimern im ganzen Land suchten. Es breitete sich eine diffuse Angst aus, ein Gefühl der Hilflosigkeit und Alleingelassenheit. Und was tut man gegen das Alleinsein, man schließt sich zusammen.

Schwarz-Rot-Gold, auch wenn keine Weltmeisterschaft ist?

Und nicht wenige suchten dann ihr Heil in der Nation, die man in Deutschland glaubte längst überwunden zu haben. Das Problem war nur, Deutschland hatte das längst abgeschafft. Spätestens als selbst ein Bundespräsident, immerhin höchster Repräsentant des Landes, stolz und lachend verkündete, er liebe seine Frau, aber er könne doch kein Land lieben, war das amtlich. Statt der Entwicklung eines gesunden Patriotismus Vorschub zu leisten überließ man das Thema ganz den Ewiggestrigen, dem nationalistischen Pack. Und genau das reibt sich inzwischen die Hände, denn niemand außer ihnen hatte jetzt das Angebot im Bauchladen, nachdem sich immer mehr Menschen sehnen.

Das eine erschreckend große Anzahl der bürgerlichen Mitte seit einigen Jahren soweit nach rechts abgewandert ist, liegt eben auch daran, dass in der Mitte kein Angebot vorhanden ist, dass sie anspricht. Was sie dort finden sind eher die “Nie wieder Deutschland”-Rufer und die liberale Elite, die unverdrossen die Globalisierung predigen. Das Konzept Patriotismus hat dort keinen Platz. Für die Linke ist es der Endgegner, für die Liberalen behindert der dadurch entstehende Zusammenhalt nur den für den Siegeszug der Globalisierung notwendigen totalen Individualisierung des Menschen. In der Globalisierung ist man eben nicht nur sein eigenes Ein-Mann-Unternehmen, sondern auch sein eigenes Ein-Mann-Volk. Es steht also auch nicht zu erwarten, dass sich das ändern wird.

Im Gegenteil, die Zersplitterung der Gesellschaft schreitet immer weiter voran und in manchen Schichten wird es aufgrund aufgezwungener Flexibilität schwierig bis unmöglich die ersehnte Gemeinschaft allein in der Familie zu bekommen.

Kurzum, die Re-Nationalisierung der Gesellschaften sind weniger eine, wenn in großen Teilen auch recht unglückliche Antwort auf die Globalisierung, sondern eigentlich schon mehr eine Gegenreaktion. Die Antithese auf die These, um ein bisschen Hegel zu bemühen.

Spaß mit Trump: Wir haben den Irak bombardiert … ja, Syrien

Also das wichtigste zuerst, der Schokoladenkuchen war der schönste, den man sich vorstellen kann. Und das man mit einem vollen Magen schon mal Irak und Syrien verwechseln kann, das passiert. Ich meine, dem Klischee nach kennen sich Amerikaner mit der Weltkarte ja eh nicht so gut aus. Und außerdem hat man im Nahen Osten glaube ich außer Ägypten und Israel ohnehin schon alles mal bombardiert.

Angst habe ich jetzt nur um Südkorea. Weil “Südkorea” & “Nordkorea”, dass kann man ja auch leicht verwechseln …

Die Wissenschaft: Irgendwas zwischen Einstein und Frankenstein

Am Samstag findet weltweit die Aktion “March for Science” statt, auch in Deutschland. Forscher und Wissenschaftler wollen damit ein Zeichen setzen, gegen eine Welt in der sie immer mehr Anfeindungen ausgesetzt sind.

Der nette Onkel Albert versucht uns unermüdlich die Welt zu erklären.

Und damit hat die Wissenschaft natürlich nicht ganz Unrecht. Gerade in den USA zeigt sich derzeit ja leider was passieren kann, wenn den Mächtigen des Tages wissenschaftliche Erkenntnisse nicht ins eigene private Weltbild passen. Freie Forschung und freie Lehre sieht anders aus. Ungestört geforscht werden darf nur, wenn hinterher das Ergebnis stimmt. Wie seinerzeit, als das Ahnenerbe durch Tibet stolperte und sich so manch Forscher fragte, wie um Himmels willen er die Wahrheit so verbiegen kann, dass Heinrich Himmler zufrieden gestellt wird. Nun, ganz so schlimm ist es freilich noch nicht, aber das böse Wort “Zensur” kann inzwischen längst auch in manchen Demokratien in den Mund genommen werden.

Wissenschaft und Forschung bläst aber nicht nur von Seiten der Politik ein stärkerer Wind entgegen. Auch in Deutschland tummeln sich Impfgegner, Globulijunkies und Anit-Reptoloidenninjas in einem bisher ungeahnten Ausmaß. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind für sie nur Bestandteil der großen Verschwörungstheorie. Dabei ist diese Situation natürlich paradox, schließlich leben wir in einer Welt, die etwa ohne Smartphones nicht möglich wäre und schon seit einiger Zeit muss nur noch in den seltensten Fällen das ganze Bein abgehackt werden, wenn man in einen rostigen Nagel tritt. Aber vielleicht ist diese Abhängigkeit ja auch einer der Auslöser dafür, dass der Wissenschaft selten so misstraut wird wie heute.

Jeder bekommt den Feind, den er verdient

Doch das ist halt nur die eine Seite der Medaille, schließlich bekommt man meistens auch genau die Feinde, die man sich durch eigenes Verhalten verdient hat. Was viele Menschen irritiert und teils schlicht ängstigt sind jene Teile der Forschung, die den Fortschritt um des Fortschritts wegen wollen. Wissenschaftler, die Grundlagenforschung als Freibrief nehmen zu machen, was machbar ist und weder nach dem Sinn oder gar den Auswirkungen zu fragen. Sie sind weniger der sympathische Physikeronkel wie Albert Einstein, der versucht uns die Welt zu erklären – und auch nicht aufgibt, als er merkt, dass wir es auch beim 10. Mal nicht verstanden haben – sondern eher der junge Victor Frankenstein, der bekanntlich nicht nur seinen eigenen Untergang zum Leben erweckte.

Es lebt – und bald leben ein paar Leute weniger.

Denn Wissenschaft ist für manchen eben nicht gleich Wissenschaft. So manch Vertreter der Naturwissenschaften würde manche Geisteswissenschaften am liebsten von der Uni schmeißen, weil sie ihm a) nur die Forschungsgelder streitig machen und b) dieser Ethikkram äußerst hinderlich sein kann, wenn man zum Beispiel Babys klonen will. Und wenn jemand Theologie erwähnt, springen sie gleich im Quadrat. Bloß das nicht auch noch.

Die tief sitzende und wahrhaftige Moral von Mary W. Shelley Meisterwerk ist bekanntlich die Erkenntnis, dass der Mensch nicht Gott spielen darf. Und diese Erkenntnis ist sogar unabhängig davon, ob man an ihn glaubt oder nicht. Es ist schlicht die Tatsache, dass es eine letzte Grenze gibt, nach deren Überschreitung die Kacke am dampfen ist. Manche Wissenschaftler haben diese Erkenntnis bitter lernen müssen und wurden für diese auch von so manchem Kollegen verfolgt. Robert Oppenheimer, einer der Väter der Atombombe, mag stellvertretend für jene stehen:

Das er aus der hinduistischen Götterwelt zitiert, ist nicht frei von Ironie für einen weiteren Zug, den so manch Forscher für die Wissenschaft reklamiert. Sicher, offiziell fährt man die Linie eine Theorie ist nur so lange wahr, bis sie widerlegt wird. Inoffiziell geht man aber davon aus, dass die aktuelle wissenschaftliche Lehrmeinung absolut wahr ist und jede Kritik ein Angriff auf die Wissenschaft als Ganzes darstellt. So lautstark man den Anspruch der Religion auf die Wahrheit bekämpft, so lautstark verkündet man selbst in Besitz der absoluten Wahrheit zu sein. Dabei könnte man es besser wissen, ist die Wissenschaftsgeschichte doch voll von Erkenntnissen die Jahrzehnte lang bekämpft und lächerlich gemacht wurden, am Ende aber doch die herrschende Lehrmeinung ablöste. So hat auch beispielsweise die Kirche nicht definiert, das sich die Sonne um die Erde dreht, sie hat nur den Fehler gemacht diese wissenschaftliche Lehrmeinung gegen die Neuerung zu verteidigen.

Oder um es ganz klar zu sagen: Man kann jenen die beim Wort “Evoltionstheorie” den Wortbestandteil “-theorie” betonen natürlich eine gewisse Intention unterstellen, aber wer diesen Teil ignoriert, entwickelt sich auch nicht weiter. Was im Übrigen auch bedeutend für die Wissenschaftler sein sollte. Denn Wissenschaft hat nur dann eine Existenzberechtigung, wenn sie (neues) Wissen schafft. Sobald wir aber alles wissen, können sich die meisten Wissenschaftler schon mal auf dem Arbeitsamt melden.