Katharina Szabo macht mich traurig

Manchmal sehne ich mich nach der guten alten Zeit zurück, als uns Katastrophen, Verbrechen und Bluttaten zusammenrücken ließen. Als wir, unfähig das Grauen um uns herum zu verstehen, zusammenkamen, um den Opfern zu helfen oder zumindest zu gedenken. Als Gräben für einen kurzen Augenblick Gräben waren, als Gegner für einen kostbaren Moment sich über die Gräben hinweg die Hände reichten, weil sie am Ende doch die Menschlichkeit im anderen akzeptierten. Doch diese Zeiten gab es wahrscheinlich nie, oder?

Und so geht mir seit gestern ein Beitrag von bei der Achse des Guten nicht mehr aus dem Kopf. Unter Kein Cem, kein Gregor weit und breit geifert sie dort gegen die linken und gefühlt linke Gutmenschen wie Heiko Maas, Cem Özdemir oder Gregor Gysi und brüstet sich ob der Entrüstung rückt sie sich ins Licht des Opferlammes. Und überhaupt, man wird ja noch sagen dürfen. Gut, die Hälfte der obigen Aufzählung schätze ich auch nicht gerade, und sie scheinheilig zu nennen, so what, das sind sie meiner Meinung nach auch. Mich stört nicht einmal der Tonfall, wie sie ihre Gegner verächtlich macht, der ist bei der Achse des Guten ja noch geradezu auf einem hohen intellektuellen Niveau. Ob man sie gar als “Nazibraut” bezeichnen kann? Natürlich nicht, ich würde sie ja gerne verteidigen, wenn sie nicht den Rest des Rechtfertigungsbeitrags dazu verwenden würde sich als Shen Te darzustellen. Aber ganz ehrlich, dieses ganze wir sind die Guten, die anderen die Bösen geht mir nur noch auf die Nerven. Völlig Wurst, wer das von sich behauptet.

Ich persönlich bin kein Gutmensch, ich halte mich ja nicht mal für einen guten Menschen. Aber angesichts eines unaussprechlichen Verbrechens, wie es in Pakistan geschehen ist. Wo Taliban nicht einmal in ihrer fanatischen Blindheit nicht einmal vor kleinen Kindern halt gemacht haben. Unnötig, die Zahl der Opfer herunterzubeten. Unnötig in BILDischer Effekthascherei ihre Bilder zu verlinken. Effekthascherei für eine Öffentlichkeit, die so an das alltägliche Grauen in der Welt gewohnt ist, das nur noch große Zahlen ein Entsetzen hervorrufen. Als ob nicht jedes Opfer für sich ein Opfer zu viel ist.

Eine Tat, die Schweigen und ein Gebet gebietet

Eine solche Tat, bei der jegliche Menschlichkeit im Blut der unschuldigen Opfer ertränkt wurde, gebietet Schweigen. Eine solche Tat gebietet ein stilles Gebet im Angedenken der Opfer und für die Hinterbliebenen. Ein solche Tat gebietet, die Suche nach Gerechtigkeit und nicht das blindwütige zurückschlagen im Sinne von Blut für Blut, Leben für Leben. Gewalt gegen Gewalt, solange man selbst davon überzeugt ist, Gott und das Recht an seiner Seite zu haben und nicht an der Seite des anderen. Seit Generationen ziehen Menschen mit Gott (auch wenn sie ihn Allah nennen) an ihrer Seite gegeneinander in den Krieg und wissen immer noch nicht, dass sie mir ihren Taten auch Gott bekämpfen. Aber ich schweife ab …

Wie tief aber muss der Hass in einem Herzen verwurzelt sein, dass man nicht einmal das Hinschlachten des unschuldigsten was es unter uns Menschen gibt, einen nicht nicht davon abhält, das Grauen für die eigenen kleinen Privatkriege gegen Politiker zu nutzen, deren Nase einem nicht passt? Wie verengt muss der Blick auf seine Mitmenschen sein, wenn einem Tote nur noch als Argument dienen, andere abzuwerten? Wie verbittert muss jemand sein, der angesichts solcher Taten nicht ob der Unmenschlichkeit erstarrt, sondern sie nur nutzt, sich selbst und die eigenen in ein gutes Licht zu rücken? Es stimmt mich traurig, so etwas zu lesen.

Was hat die Ermordung von pakistanischen Kindern damit zu tun, das manche – ich gebe zu, auch ich – die Pegida-Demonstranten für Rassisten halten? Ich verstehe es nicht, ich verstehe es wirklich nicht!

Links: Medien, PR & Web (001)

Storytelling in WhatsApp – Unsere Erfahrungen aus dem #4dez-Projekt – WhatsApp ist gerade im Bereich Regionaljournalismus gerade in einer größeren Testphase, neben dem hier beschriebenen Einsatz bei der Heilbronner Stimme hat auch kürzlich infranken.de mit dem Messenger experimentiert. Keine schlechte Idee, wenn man mit größeren (regionalen) Ereignissen zum Beispiel auch jüngeres Publikum erreichen.

Google Studie: Fünf Tipps für mehr Sichtbarkeit – Das Werbebanner muss auf der Webseite ganz oben sein, dass ist wichtig! Denkt mancher immer noch, auch wenn Studienergebnisse wie dieses das Gegenteil behaupten. Das Banner am unteren Browserfester ist das sichtbarste und wer die Bannerplätze below the folder vernachlässigt ist auch nicht immer gut beraten.

Jeder Sechste ein Flüchtling – Viele reden seit Monaten über Multimediareportagen, aber nur wenige machen wirklich eine. Hier berichtet der SWR über Flüchtlinge, die in der schwäbischen Alb Zuflucht gefunden haben. Interessant vom Inhalt her und interessant wegen der Machart.

Nach Google News-Einstellung: Spanische Online-Medien verlieren 10 Prozent Traffic – Tja, wer nicht hören will, muss eben fühlen. Während die deutschen Verlage gerade noch rechtzeitig die Kurve im Streit mit Google News bekommen haben, spüren die spanischen Medien den Verlust jetzt am eigenen Leib.
Fünf Tools für neue Erzählformen im Onlinejournalismus – Storify, Datawrapper & Co. Zwar wird hier nichts neues oder “the next big thing” vorgestellt, aber es ist doch eine gute Zusammenfassung an Tools, die zeigen, was Onlinejournalismus von bloßem onlinestellen von Nachrichten unterscheiden sollte.

Sollen sie ihre Wintermärkte doch haben!

Berlin ist nicht nur die deutsche Hauptstadt, es ist auch die Hauptstadt der Atheisten. Nicht nur, weil der Atheistennachwuchs dort seit Kurzem zum Welthumanistentag schulfrei bekommt, auch weil in einem Sitzungsprotokoll des Bezirkstags in Berlin-Kreuzberg folgendes zu lesen ist:

“Das Bezirksamt Kreuzberg verständigt sich darauf, dass grundsätzlich keine Genehmigungen für Veranstaltungen von Religionsgemeinschaften im öffentlichen Raum erteilt werden.”

Im öffentlichen Raum dürfen also keine christlichen, islamischen, buddhistischen usw. Veranstaltungen mehr statt finden. Manche nennen das in ihrer Blindheit noch Trennung von Kirche und Staat, andere einen falsch verstandenen und Amok laufenden Laizismus. Man könnte es auch als eine Religionsverbot im öffentlichen Raum bezeichnen.

Nun, diese Entscheidung hat mindestens zwei Auswirkungen: Sie stellt unter Beweis, dass die Mehrheit der Abgeordneten im Kreuzberger Bezirkstag das Konzept von Dingen wie Demokratie und Freiheit nicht verstanden haben und es sorgt dafür, dass der dortige Weihnachtsmarkt jetzt offiziell Wintermarkt heißt.

Zumindest mit der Namensgebung ist der dortige Markt nicht alleine, in ganz Deutschland gibt es inzwischen Winter- statt Weihnachstmärkte. Nicht immer zurückzuführen auf eine politische Entscheidung, die so eigentlich eher ein paar Jahrzehnte früher und im Ostteil Berlins zu verorten wäre.

Doch abgsehen von solchen Entscheidungen finde ich die Umbenennung auch als Katholik durchaus reizvoll, denn was haben Weihnachtsmärkte noch mit Weihnachten zu tun? Weihnachten ist doch nur noch das kalendarische Feigenblatt für Geschäftemacherei und Glühweinsauftouren nach Feierabend. Weihnachtsmärkte haben doch kaum noch etwas mit dem Weihnachtsfest zu tun, zu dessen Stattfinden sie pünktlich geschlossen werden. Sie sind doch viel mehr einer der Gründe, warum die Mehrheit in diesem Land inzwischen glaub, Weihnachten ende am 26. Dezember – obwohl es in Wahrheit da doch erst seit ein paar Tagen begonnen hat. Wo manche erst zu feiern beginnen, sinken andere vollgefressen mit Lebkuchen und getränkt von Glühwein erschöpft von alldem Stress zusammen.

Und dazu hatten sie reichlich Gelegenheit, denn Weihnachtsmärkte wachsen und in manchen Städten sind sie längst als Wirtschaftsfaktor nicht mehr weg zu denken. Neben den traditionellen Märkten entstehen dort sogar immer mehr, kaum eine Nebenstraße wird noch verschont. Blühende Weihnachtsmärkte gibt es gerade im durch die versteckte Religionsfeindschaft der Nationalsozialisten und die offene Religionsfeindschaft der SED weitestgehend entchristianisierten Osten. Gerade dort sind Weihnachtsmärkte nur noch Einnahmen versprechende Folkloreveranstaltungen. Ein Geschäftsmodell wie jedes andere. Und das sollte meiner Ansicht nach dann auch Wintermarkt heißen, oder meinetwegen in einem Anfall von Ostalgie auch Jahresendemarkt.

Vielleicht wäre es sogar besser, die Atheisten würden gleich Konkurrenzmärkte aufmachen. Im Sommer zum Beispiel, wo sie dann ihrem Spaghettimonster huldigen können und Fleischbällchenkugeln für die Spaghettimonstertanne verkaufen.

Nun bin ich natürlich nicht für die Abschaffung von Weihnachtsmärkten. Das wäre auch verlogen, denn zumindest einmal im Jahr trinke ich dort auch mein Gläschen Glühwein. Die rücksichtslose Vermarktung von Weihnachten macht mir allerdings auch hier Sorgen, vor allem weil sie die eigentliche Bedeutung der Adventszeit geradezu pervertiert. Ist der Advent doch eigentlich als eine kleine Fastenzeit konzipiert.