Erde an StartUps: Scheitern ist immer noch scheiße

Nachmachen kann jeder, das war schon zu Beginn der deutschen Digitalwirtschaft das Mantra junger deutscher StartUp-Unternehmer – lange bevor sie den Begriff StartUp übernommen hatten. Alando, StudiVZ & Co, die Älteren unter uns werden sich erinnern, waren reine Klone von eBay, Facebook & Co. Manchmal wurde man das Gefühl nicht los, die einzige Eigenleistung bestand in der farblichen Gestaltung der Webauftritte. Das war alles kein Problem, es hat sich von selbst erledigt und auch wenn ein paar Leute damit Geld verdient haben – richtig viel Geld – die Copy Cats sind längst Vergangenheit. Genau dieser selektive vermeintliche Erfolg aber, hat das eigentliche Problem hervorgebracht: Man begnügt sich nicht mehr damit das Endprodukt aus den USA zu kopieren, sondern man kopiert den gesamten Prozess.

Und zu diesem Prozess gehört angeblich auch das “Scheitern”. Wie ein Mantra wird uns Europäern vorgehalten, wir müssten von den Amerikanern das Scheitern lernen. Scheitern gehöre zum Erfolg dazu und die US-Unternehmer seien erfolgreicher, weil sie keine Angst vor dem Scheitern hätten, weil sie danach eben einfach wieder von vorn anfangen und irgendwann komme der Erfolg ganz von selbst. Als ob Erfolg keine Frage von Mut oder Innovation wäre, sondern lediglich eine Angelegenheit der Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Die Mär vom Scheitern auf dem Weg zum Erfolg ist natürlich ebenso gefährliche Lüge, wie jene des Tellerwäschers als Ausgangspunkt zum Millionär. Wie die meisten Tellerwäscher am Ende kein Millionen auf dem Konto haben, so hört man von den meisten gescheiterten StartUps am Ende einfach nichts mehr.

Die Erfolgreichen stehen im Rampenlicht der öffentlichen Aufmerksamkeit, von den Gescheiterten spricht man nur, wenn sie vorher zu den Erfolgreichen gehört haben. Wer aber gescheitert ist, bevor er mit seiner Idee mindestens ein paar Millionen verdient hat, der scheitert unter dem öffentlichen Wahrnehmungsradar. In einer auf Erfolg getrimmten Branche will niemand Berichte über Ex-StartUp-Unternehmer sehen, die in der Suppenküche Schlange stehen.

Wie ein Brandbeschleuniger bei der Geschichte wirkt dann noch die merkwürdige Eigenart der Erfolgreichen, sich mit ihrem Scheitern auch noch zu brüsten. Als wäre es die Medal of Honor eines US-Unternehmers ein Scheitern überwunden zu haben. Bei diesem Märchen werden allerdings oft zwei simple Dinge übersehen. Zum einen sind die wirklich Großen nie gescheitert. Brin, Page oder Zuckerberg hatten es vielleicht nicht immer leicht, aber ihr Weg zum Erfolg ist eine mehr oder weniger gerade Linie nach oben. Ihr Weg war ein einziges “Führ mich zum Schotter”-Gebet ans Internet und seine Risikokapitalgeber. Und wenn es bei manchen der heute so dominanten Internetherrscher doch einmal ein kurzes Einknicken gab, dann war das ihr Scheitern. Sie verwechseln Rückschläge mit Scheitern, und verharmlosen es dadurch. Wer aber Scheitert, dessen Geschäftsidee ist komplett hinüber und er steht vor den Trümmern seiner Existenz. Und selbst wenn er sich noch irgendwie retten konnte, sieht es bei seinen Angestellten, die nicht selten branchenüblicherweise an ihn geglaubt haben, viel schlechter aus.

Wer alles auf eine Karte setzt, der hat das Spiel am Ende gewonnen oder er hat es verloren. Die Webwirtschaft funktioniert nach einem gnadenlosen “The Winner takes it all”-Prinzip, Looser will keiner sehen.

Scheitern als Bestandteil des Geschäftskonzepts gibt es nur bei den grauen Eminenzen im Hintergrund. Die Risikokapitalgeber sind die einzigen sicheren Gewinner dieses Märchens. Ihre Gewinnspannen bei gelungenen Investitionen sind astronomisch hoch, so hoch, dass das verlorene Geld bei Fehlinvestitionen nicht weiter ins Gewicht fällt.

Super Bowl – Die Vorbereitungen laufen

Der Super Bowl steht vor der Tür und nicht nur bei den Teams laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Das will ich doch auch schwer hoffen, denn dank Katy Perry freue ich mich auch zum ersten Mal seit Jahren wieder mal auf die Halftimeshow.

Echte Menschen kommunizieren nicht digital

Schon seit ein paar Tagen geht mit ein Absatz aus Byung-Chul Hans Buch “Im Schwarm – Ansichten des Digitalen” nicht mehr aus dem Kopf:

“Die digitale Kommunikation lässt die Gemeinschaft, das Wir, vielmehr stark erodieren. Sie zerstört den öffentlichen Raum und verschärft die Vereinzelung des Menschen.”, Byung-Chul Han

Was ich an dieser Aussage interessant finde, ist die Tatsache, dass ich ihr intuitiv sofort zustimmen würde, ohne groß dafür Belege zu verlangen. Und das obwohl man unvoreingenommen ja eigentlich davon ausgehen müsste, das jede Art von Kommunikation (mit positiver Ausrichtung) eine Gemeinschaft stärken müsste.

Hinterfrage ich mich kritisch, dann beruht diese intuitive Zustimmung natürlich auf dem Bild des vereinsamten Menschen, der (fast) keine Face-to-Face-Kommunikation ausübt, sondern für den Freunde und Facebookfreunde synonym füreinander stehen. Es stellt sich aber die Frage, inwieweit das ein Klischee jener ist, die schon auf der Welt waren bevor es digitale Kommunikation für die Massen überhaupt gab. Und es stellt sich die Frage, ob es heute tatsächlich so schlimm ist, Facebookfreunde, die man im echten Leben vielleicht nur kurz oder gar nicht getroffen hat, auch als Bekannte und Freunde zu bezeichnen. In einer Welt, deren ökonomische Herrscher von uns Flexibilität und Mobilität verlangen, sind die Zeiten für viele vorbei, in denen man bei einem Problem mal schnell mit dem besten Freund in der Kneipe ums Eck ein Bierchen trinken und darüber reden konnte. Wenn ich einen richtig guten Freund/in brauchen würde, mit dem ich über richtig große Probleme persönlich reden wollte, müsste ich mindestens 110 km fahren oder wahlweise rund 270 km. Da ist man für ein paar digitale Kommunikationsmöglichkeiten schon dankbar.

Vielleicht wird es ja noch erhellender, wenn wir den nächsten Satz des beschriebenen Absatzes heranziehen:

“Nicht die ‘Nächstenliebe’, sondern der Narzissmus beherrschte die digitale Kommunikation.”, Byun-Chul Han

Vor einigen Jahren bin ich in einem Buch von Wolfgang Hünnekens über den geschäftlichen Einsatz sozialer Netzwerke auf den Begriff “Ich-Sender” gestoßen. In dem Zusammenhang hier kann man den Begriff auch folgendermaßen deuten: Der Ich-Sender kommuniziert weniger unser gesamtes Ich, sondern nur unseren digitalen Teil des Ichs. Und dieses digitale Ich besteht vorwiegend noch immer aus jenem Bild, dass wir selbst von uns im Digitalen erschaffen. Doch das ist freilich kein Spiegelbild unseres realen Ichs, sondern selbst bei jenen, die dies gar nicht beabsichtigen, immer zumindest eine idealisierte Form unseres Ichs. Wir können gar nicht anders.

Ob wir in dieser Angelegenheit gleich narzisstisch werden, das erscheint mir etwas zu hart. Aber zweifellos sind weit mehr Menschen in der Lage ihr digitales Ich zu lieben, als ihr wirkliches selbst. Und beim Begriff “Nächstenliebe” sollte man bekanntlich immer den Satz “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst” mitdenken, darauf hatte ich ja kürzlich schon einmal in meinem Beitrag über Altruismus und Nächstenliebe hingewiesen.

Dieses digitale Ich aufrechtzuerhalten ist allerdings echte Arbeit und ein Werkzeug dazu ist die digitale Kommunikation. Wir können schließlich nicht mühsam eine neues, besseres Bild von uns erschaffen und dann etwas anderes kommunizieren. Das wäre ja so, als hätten wir ein Denkmal unser selbst auf den Marktplatz des Lebens gestellt und würden es jetzt mit dem Vorschlaghammer bearbeiten. Digitale Kommunikation schließt also zu einem gewissen Teil immer die Lüge mit ein, zumindest flunkert jeder ein bisschen. Und anders als in der Face-to-Face-Kommunikation ist das Lügen hier wesentlich leichter, die Gefahr erwischt zu werden um einiges geringer. (Das gilt übrigens selbst für Videochats, es sei denn man sieht sein Gegenüber in bester Auflösung als Ganzkörperbild, was mir persönlich bei Skype ehrlich gesagt noch nie passiert ist.)