Filmkritik: Devil’s Pass

Stell dir vor, es gibt einen Berg, den man Berg der Toten nennt. Und der Berg der Toten liegt in einem Gebiet, das aus der Sprache der Einheimischen übersetzt so viel heißt wie: “Geh da nicht hin!” Ach, dass kann doch die Angehörigen einer wahren sowjetischen Bildungselite nicht abhalten eine Skitour dort zu machen – und so entstand die wahre Geschichte rund um den Djatlow-Pass. Im Februar 1959 kamen dort wirklich neun Menschen ums Leben. Und weil ihr Tod nicht ganz unmysteriös war und bis heute nicht geklärt ist, gibt es noch heute jede Menge Legenden, Geschichten und Erklärungsversuche was damals wirklich geschah.

Mit seinem Film Devil’s Pass fügt Regisseur Renny Harlin dieser langen Reihe eine neue Geschichte hinzu. Und um es vorweg zu sagen, er tut es nicht besonders gut.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine Gruppe amerikanischer Studenten, die sich 50 Jahre nach dem Unglück aufmachen das Rätsel im Rahmen eines Dokumentarfilmes zu ergründen. Eine Hintergrundgeschichte die wahrscheinlich genauso schlecht oder gut ist wie jede andere auch. Allerdings hat Harlin wahrscheinlich zu viel Blair Witch Project gesehen, ein meiner Meinung nach völlig überschätzte Film der uns zudem Dutzende andere Filme vermasselt hat, indem jene dann in eine Pseudo-Amateur-Filmperspektive gezeigt wurden.

Und so besteht auch Devil’s Pass im Grunde nur aus dem “Rohmaterial”, die die Gruppe von Studenten gedreht hat, am Anfang nur unterbrochen von gefakten Newsbeiträgen aus dem Fernsehen. Wie alle Machwerke dieser Art ist dann auch Devil’s Pass schwer anzusehen und hat nicht einmal den Charme von misslungenen Familienurlaubsfilmen. (Und wir wissen, alle Familienurlaubsfilme sind misslungen.)

Leider gelingt es auch weder Regisseur noch den Darstellern dieses Manko im Geringsten zu kompensieren. Bestenfalls tapfer spielen sie gegen jeglicher filmischen Logik als Bestandtteil des Dokumentarfilms aufgezeichnete Szenen an. Erstaunlicherweise halten sich dagegen die gravierenden Logikfehler in der Handlung aber in Grenzen. Mal abgesehen von einer Digitalkamera, deren Batterieleistung ganze 50 Jahre zu halten schien.

Die Erklärung was damals wirklich geschah ist mittelmäßig originell, hat aber zumindest nichts mit Aliens zu tun. Und obwohl es sich bei dem Film um eine britisch-russische Produktion handelt, ist sie doch zutiefst amerikanisch. Selbst das Philadelphia-Experiment spielt dabei ein Rolle. Und um den Spoiler perfekt zu machen, ja, die Russen haben sowas auch versucht. Zumindest sorgt das allerdings für den kleinen Schockeffekt am Ende, wenn der Zuschauer erfährt wie die Monster innerhalb des Berges entstanden sind.

Bewertung: zwei

Ist “vergratscht” überhaupt ein Wort?

“Der Teppich muss nicht gesaugt werden, bis er knusprig ist.” Ja, das sag ich doch auch die ganze Zeit immer, aber diese Hygienefuzzis sind ja immer anderer Meinung.

Im folgenden Video von This is Foxx geht es um deutsche Lieblingswörter des Machers und seines Gasts. Herrausgekommen sind so schöne Wörter wie “Magermilchjoghurt” und “Rührelement” – deutscher als “Rührelement” geht es wahrscheinlich gar nicht.

 

Würzburg braucht keine Kompromisse

Würzburg

Im Würzburger Rathaus sollte es weniger Kompromisse und mehr Entscheidungen geben.

Ganz ehrlich, ich glaube langsam das Wahlvolk und Journalisten mit dem System einer Parteiendemokratie überfordert sind. Andauernd fordern sie, dass die Politiker über die Parteigrenzen hinweg gemeinsam die beste Entscheidung treffen sollen – und arbeiten die Politiker dann zusammen, wird beklagt, es sei ja eh egal wen man wähle, die seien doch alle gleich. Im Würzburger Stadtrat, zum Beispiel, ist im Augenblick ersteres der Fall. Bei den letzten Wahlen im Frühjahr hatte dank einer Lagerbildung zum ersten Mal seit Menschengedenken so etwas wie Spannung geherrscht. In der Regel sind Wahlkämpfe in Würzburg langweilig, haben dafür aber einen überraschenden Ausgang. Die Lagerbildung ging weiter, als sich das konservativ-liberale Lager bei der Wahl zum 2. Bürgermeister entschied auf Tradition und guten Willen zu pfeifen, und versuchte seinen eigenen Kandidaten durchzudrücken. Am Ende entschied sich das Los dann doch anders und Würzburg blieb ein 2. Bürgermeister von der FDP erspart.

Und weil Bürger und Journalisten wie gesagt immer das Gegenteil von dem wollen, was es gerade gibt, fordert zum Beispiel auch Main Post-Redaktionsleiter Andreas Jungbauer in seinem Kommentar, dass sich die Parteien zusammentun, um die „besten Lösungen“ zu finden. Forderungen wie diese, oder Feststellung wie „hauchdünne Mehrheiten“ seine nicht gut, rufen bei mir allerdings immer eine gewisse Reaktion mit den Augenbrauen hervor. Ich ziehe sie nach oben, um genau zu sein.

Das liegt an zwei Punkten. Zum einen gehöre ich eher zu jener Gruppe, die dazu neigt Politikern vorzuwerfen zu gleichförmig zu sein. Wir leben inzwischen in einer medial-bestimmten Welt, die selbst schon auf kommunaler Ebene jene Politiker verschwinden lässt, die man vielleicht als „Typen“ oder „Originale“ bezeichnen könnte. Menschen mit Konturen können doch heute bestenfalls noch Dorfbürgermeister werden, wer aber in einer mittelgroßen Stadt ein politisches Amt erreichen will, muss sich damit abfinden die Konturen möglichst schnell abzuschleifen. Glattgeschliffen, im gleichen Tonfall formulierend bleibt da heute nicht mehr viel an Unterscheidungskriterien. Die Parteizugehörigkeit ist eines davon. (Auch wenn auf Bundes- und auf manchen Landesebenen die Grenzen zwischen SPD und CDU zugegebenermaßen auch nicht mehr überdeutlich sind.) So sehr oben genannte Entwicklung langsam auch auf der kommunalen Ebene um sich greift, so kann man doch hier noch eher Leute treffen, bei denen man zumindest erahnen kann, was sie sich dabei gedacht haben in diese oder in jene Partei einzutreten. Das erleichtert es dem Wähler, der für seine Wahlentscheidung ja zwangsweise gewisse Schwerpunkte setzen muss, sich für eine Partei zu entscheiden. Forderungen wie die von Andreas Jungbauer lassen mich dann fragen, was soll ich denn Partei A wählen, wenn die am Ende die gleiche Soße machen wie Partei B?

Der zweite Punkt ist die pauschale Annahme, dass ein Kompromiss die beste Lösung ist. Diese Annahme ist falsch und sie ist gefährlich, weil sie selbst im besten Fall nur zu einem Niveau der Mittelmäßigkeit führt. Damit will ich jetzt natürlich nicht behaupten, dass Kompromisse immer schlecht sind. Der Kompromiss ist ein gutes Instrument, wenn die Alternative nur ein endloser zermürbender Kampf wäre, an dessen Ende beide verloren haben. Was allerdings hier nicht zutrifft, immerhin ist auch in dem Main Post-Kommentar von hauchdünnen Mehrheiten die Rede.  Vor allem findet dadurch aber überhaupt erst einmal eine Entscheidung statt. Die kann Würzburg nach vorn bringen, oder soweit zurückwerfen, dass immerhin ein Neustart dabei rausspringen kann. Kompromisse hingegen sind oft genug die Entscheidung keine Entscheidung zu treffen. Stillstand, oder so winzige Schritte, dass sie überflüssig sind.

Soweit die Theorie, in der Praxis wird natürlich auch Parteipolitik nicht von Parteien gemacht, sondern von Menschen. Ich sehe diese Wahlperiode zum Beispiel ausgesprochen schwarz in Sachen Kulturpolitik. Der zuständige Referent im Würzburger Rathaus ist nämlich inzwischen auch der Vorsitzende der Würzburger SPD. Und ich habe nicht das geringste Vertrauen in die CSU-Fraktion zwischen Referenten- und Parteiamt unterscheiden zu können. Sprich, die Kulturinteressen in Würzburg werden die nächsten Jahre nicht unbedingt die besten Karten haben, weil eine tendenziell konservativ-liberale hauchdünne Mehrheit es den vermeintlich sozialdemokratischen Kulturangelegenheiten schwer machen wird. Aber was soll man sagen, alles hat seine Vor- und Nachteile.

Midnight in Paris – Oder zumindest Schreiben im Café

2011 brachte Woody Allen mit Midnight in Paris nicht nur eine Liebeserklärung an Paris heraus, sondern auch an die gut alte Zeit. Er lässt seinen von Owen Wilson verkörperten Helden nicht nur durch die nächtliche Stadt wandern, sondern auch durch die Zeit. Denn prompt findet sich der US-Schriftsteller wieder im Paris der 1920er, als die Stadt Heimat für die großen und heute noch nicht erreichten Schriftsteller wie F. Scott Fitzgerald oder Ernest Hemingway war. Für die Figur ist es so etwas wie die gute alte Zeit, die man selbst nie erlebt hat, in die man sich aber gerne träumt.

Von nun an muss er jede Nacht dort hin, vielleicht auch wegen der von Marion Cotillard verkörperten Adriana. Doch kurz nachdem er sich entschlossen hat mit ihr für immer in den 1920ern zu bleiben, entdeckt Adriana einen Weg in das Paris der Belle Epoche, der guten alten Zeit, von der sie immer geträumt hat. Und es kommt wie es kommen muss, sie entschwindet dorthin und ward nimmer gesehen.

Gil, der von Wilson verkörperte Amerikaner, lernt seine Lektion und bleibt nicht im Paris von Fitzgerald oder Hemingway. Er kehrt zurück in unsere Zeit und schreibt vielleicht einmal ein Buch über seine Erlebnisse. Wir werden es wahrscheinlich nie erfahren, denn bekanntlich ist Woddy Allen nie der Typ für Fortsetzungen gewesen.

Was es wohl mit dieser guten alten Zeit auf sich hat? Wahrscheinlich ist es ohnehin nur eine gute idealisierte Zeit, die definitionsgemäß in der Vergangenheit liegen muss und möglichst keine noch lebenden Zeugen mehr haben sollte, die die idealisierte Darstellung durch eigenes Erleben widerlegen könnten. Aber das Paris der 1920er hätte mir wohl auch gefallen, nicht nur wegen der Anwesenheit von F. Scott und Zelda Fitzgerald. Meine Bewunderung für F. Scott Fitzgerald dürfte in diesem Blog bestimmt schon das ein oder andere Mal durchgeklungen sein, da bin ich mir sicher.

 

Und so musste ich schon vor der ersten Seite von Hemingways „Paris – Ein Fest fürs Leben“ zum einen an „Midnight in Paris“ und zum anderen eben an Fitzgerald denken. Um genau zu sein, habe ich mich vorblätternd versichert, dass Hemingway in seinem Buch auch ja nicht Fitzgerald unterschlägt. Er tut es natürlich nicht. Wie könnte auch eine Schilderung der Jahre des jungen Hemingways ohne Fitzgerald auskommen?

„Begrenzt wurde das Glück nur von Menschen, ausgenommen die sehr wenigen, die so gut wie der Frühling selbst waren.“

„Paris – Ein Fest fürs Leben“ entstand Jahre nach jener Zeit, sondern nach dem 2. Weltkrieg, als Hemingway wieder in Paris in alten Koffer seine Aufzeichnungen aus jener Zeit wiederbekam. Aus dem was er in den alten Koffern wiederfand formte Hemingway einen romanhaften Bericht aus jenem Paris in dem kaum eine Größe zu fehlen scheint. Es ist ein spannender Bericht in dem der als harter Knochen verschriene Hemingway auch ganz weich werden kann, auch wenn er ganz unmachohaft die Schuld für seine erste gescheiterte Ehe vollkommen auf sich nimmt.

Aus erster Hand erfährt der Leser, dass Paris nicht immer unerschwinglich war, sondern einst eine Stadt in der man auch mit wenig Geld leben konnte. Aber auch eine Stadt, die sich schon damals versuchte touristisch zu professionalisieren. Da muss der französische Bart des Obers eben ab, wenn der Besitzer sich mehr Geld von einer Bar im amerikanischen Stil verspricht. Freilich war Paris auch damals nicht so billig, das man als Schriftsteller nicht ab und an einen guten Freund oder Freundin haben musste, der/die einem finanziell mal unter die Arme griff. Oder eben einen Ober, der einem nachschenkte, wenn der Besitzer mal nicht hinsah.

Mit „Paris – Ein Fest fürs Leben“ kann man selbst eintauchen in jene Zeit und wahrscheinlich mehr über (in erster Linie) Hemingway und andere Größen ihrer Zeit erfahren, als in manch trockener Literaturvorlesung. Ich persönlich habe dieses Buch zumindest verschlungen. Und sich den jungen Hemingway vorzustellen, wie er bei einer Tasse Kaffee in einem Pariser Café sitzt, um zu arbeiten, ist nicht die schlechteste Vorstellung für eine Zeit, in der man sich sonst hier nur noch Meetings in ach so entspannter Atmosphäre vorstellen kann.

Und für Hobbyschriftsteller wie mich birgt das Buch natürlich die Gefahr mich in das Paris jener Zeit zurückträumen zu wollen. Oder sich zumindest in ein Café zu setzen, um zwischen all den Laptops und Tablets auf einem Notizblock eine neue Geschichte zu schreiben.